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Saarpfalz-Kreis: Maurern wie die Römer

Pressemeldung vom 7. November 2012, 15:25 Uhr

Neben dem normalen Museumsbesuch kann man im Europäischen Kulturpark
auch Maurerarbeiten nach römischem Vorbild beobachten – zuschauen und
Fragen stellen ausdrücklich erwünscht

Fast jeder kennt sie: die römischen Mauerfundamente – sichtbare
Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten, die überall in der Region
zu finden sind. Und mittlerweile kann man sich an vielen Orten in
Deutschland davon überzeugen, wie diese alten Mauern in ihrer Glanzzeit
ausgesehen haben müssen. Wer hat sich nicht schon mal gefragt, wie diese
Steinriesen überhaupt entstanden sind? Oder noch eher… wie sie gebaut
wurden?!

Im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim haben Besucher die
Gelegenheit, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Hier gibt es eine
kleine Gruppe fleißiger Arbeiter, die sich mit der originalgetreuen
Teilrekonstruktion der Mauern im Hofareal der römischen Villa
beschäftigt. Man sieht sie jeden morgen in den Park ziehen, mit
Maurerkelle, Fäustel, Wasserwaage und Schnur.

Das besondere an diesen Maurern ist nicht ihr Werkzeug, sondern eher
ihr Werk. Nach römischem Vorbild wenden sie Techniken an, die schon 2000
Jahre vor ihnen, an derselben Stelle, ein Mensch genutzt hat, um eine
Mauer zu bauen. Bei der Arbeit wird bis ins kleinste Detail gedacht. Vom
Legen einer Stickung im Fischgrätenmuster, über das Rechnen in Handbreit
– dem römischen Maß der Handwerker, bis hin zu den richtigen Steinen aus
dem Rubenheimer Kalkwerk und dem richtigen Mörtel, wird versucht, uralte
Tradition wieder aufleben zu lassen. Vom Erfolg der Arbeit kann sich
jeder tagtäglich überzeugen. Denn die Mauern wachsen und wachsen…

„Besucher, die bis an die Baustelle herankommen und sich für unsere
Arbeit interessieren sind uns immer willkommen. So wird oftmals für
viele Leute erst im persönlichen Gespräch mit uns die Bedeutung der
Maurerarbeit hier richtig ersichtlich. „, so Peter Marschall, Chef der
Arbeitsgruppe und erfahrener Maurer, der sich auf die römischen
Maurertechniken spezialisiert hat. Noch bis zum ersten Frost, also rund
drei bis vier Wochen in diesem Jahr, mauert er an der Westseite des
Hofareals.

Wenn der Winter kommt, müssen die Arbeiten vorübergehend eingestellt
werden. Dann wenden sich die Arbeiter einer besonderen Aufgabe zu. Sie
bauen eine Groma – ein römisches Gerät zur Winkelvermessung, welches im
Frühjahr bei Wiederaufnahme der Arbeiten mit genutzt werden soll. „Der
Bau der Groma wird für uns ein interessantes Projekt und wir sind schon
jetzt gespannt, wie das Gerät nächstes Jahr im täglichen Arbeitseinsatz
funktioniert“, erklärt Marschall. Ein zweites Projekt, das diesen Winter
umgesetzt werden soll ist der Bau eines Chorobates – dem römischen
Vorgänger der heutigen Nivelliergeräte. „Ein Chorobates wurde genutzt
um Höhenmessungen im Gelände zu machen, was vor allem bei den römischen
Viadukten enorm wichtig war“, erklärt Marschall.

Der insgesamt sechs Meter lange Chorobates und die Groma werden im
Frühjahr mit Sicherheit die Arbeit an den Mauern der Villa sehr
interessant werden lassen. Bis es aber soweit ist, wartet noch jede
Menge Arbeit auf Peter Marschall und seine Leute im Freigelände des
Archäologieparks.

Quelle: Saarpfalz-Kreis

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