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Saarlouis: STOLPERSTEINE – Saarlouis gedenkt erneut der Opfer des Nationalsozialismus

Pressemeldung vom 14. Oktober 2015, 09:11 Uhr

Im Jahr 2011 startete die Aktion „Stolpersteine“ in Saarlouis. Ihr Initiator, Gunter Demnig, verlegte in der Kreisstadt goldglänzende Stolpersteine in Erinnerung an 12 Opfer des NS-Regimes. Nun kamen weitere 16 hinzu. Erneut ließ der Künstler selbst – unterstützt von Mitarbeitern des Neuen Betriebshofes – die Gedenksteine an einem Sonntagmorgen an verschiedenen Stellen in Roden und der Innenstadt ins Trottoir ein. Zahlreiche Saarlouiser begleiteten ihn dabei und gedachten gemeinsam der Verstorbenen.

„Es sind erneut sehr schlimme Schicksale, die die Menschen, denen diese Stolpersteine gelten, durchleiden mussten“, sagte Oberbürgermeister Henz. Er freute sich, dass trotz des frühen Termins Stadtverordnete, Schüler verschiedener Saarlouiser Schulen und interessierte Bürger an der Verlegung teilnahmen. Er mahnte, die Gräueltaten dieser Schreckensherrschaft niemals in Vergessenheit geraten zu lassen und zusammen dafür einzustehen, dass so etwas nie wieder geschehen kann. Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung hätten keinen Platz in dieser Stadt – damals nicht und auch nicht heute. Gunter Demnig schilderte in einer kurzen Ansprache, dass jeder Stein für ihn nach wie vor etwas neues, besonderes sein, auch wenn er mittlerweile rund 55.000 Stück quer durch Europa verlegt habe. „So unterschiedlich wie die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Umstände“, so der Bildhauer, dessen Aktion durch Patenschaften von Einzelpersonen und Institutionen finanziert wird.

In der Thirionstraße lebte die Familie Hanau. Gabriel Hanau wurde 1853 in Beaumarais geboren und betrieb ab 1918 einen Pferdehandel. Er, seine Frau Susanne und vier ihrer Kinder vielen den Nazis zum Opfer. Ebenfalls aus der Thirionstraße, Hausnummer 6, stammte Nikolaus Brünnet. Der Kommunist wurde 1941 wegen Landesverrats zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Er starb nach einigen Verlegungen im Zuchthaus Siegburg an Fleckfieber. Im selben Haus kam Günter Massonne 1928 zur Welt. Er war kleinwüchsig, konnte nicht gehen und sprechen. Im Alter von 15 Jahren kam Massonne in die Tötungsanstalt Hadamar, wo er im Rahmen des Euthanasie-Programms ermordet wurde. Auch für ihn sprach Gudrun Lemier vor Ort ihr Gedicht „Wider das Vergessen“, auch für ihn wurde eine Rose niedergelegt.

Von der Feuerwache Innenstadt wurden Stolpersteine für ehemalige Kameraden gestiftet. Sie sind nun in der Einfahrt Titzstraße zu finden. Auf ihnen sind die Namen Isidor Juda, Leo Cahn, Ludwig Wollheim und Simon Eschwege zu lesen. Die Familie von Isidor Juda wurde auch in der Zeughausstraße gewürdigt. Die Familie führte zu dort Beginn des 20. Jahrhunderts das Hotel „Zwei Hasen“. Isidor und seine Frau Rosa starben im Ghetto Theresienstadt. Auch ihre Kinder überlebten nicht.

Die Weißkreuzstraße 20 war das Zuhause von Nikolaus Foss und seiner Familie. Er gehörte der Kommunistischen Partei an. Er engagierte sich in der „Status Quo-Bewegung“ und wurde deswegen im August 1944 im Rahmen der „Aktion Gewitter“ von der Gestapo verhaftet. 1945 starb Foss im KZ Dachau, offiziell an Hungerthypus.

Den Abschluss bildete die Französische Straße. Dort betrieb die Familie Wollheim ein Geschäft mit Modewaren. Ludwig Wollheim, geboren 1871 im polnischen Rogasen starb ebenfalls in Theresienstadt, sein Sohn Leo in Ausschwitz.

Quelle: Kreisstadt Saarlouis

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