Energiewechsel

Saarlouis: Respekt und Anerkennung für eine beeindruckende Frau

Pressemeldung vom 20. November 2012, 09:32 Uhr

Saarlouis. Hildegard König-Grewenig leitete 25 Jahre die Synagogen-Gedenkstätte in Saarlouis. Im Rahmen einer Feierstunde wurde sie verabschiedet und mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Mehr als 150 Gäste kamen in die Kaserne VI nach Saarlouis, um Hildegard König-Grewenig für ihr Lebenswerk zu ehren und zu danken. „Ihr Einsatz verdient Respekt und Anerkennung“, sagte Oberbürgermeister Roland Henz in seiner Ansprache. Mehr als ein Vierteljahrhundert hat die Ehefrau des früheren evangelischen Pfarrers Heinz König in Saarlouis das Gedenken an das durch die NS-Verfolgung zerstörte jüdische Leben in der Stadt wach gehalten. Hildegard König-Grewenig war Initiatorin und 25 Jahre lang Leiterin der Synagogen-Gedenkstätte im Postgässchen. Es ist ein Ort der Erinnerung, der Begegnung mit jüdischem Leben, jüdischem Glauben und jüdischer Kultur. „Ein Raum zum Nachdenken und Bedenken“, erinnerte Roland Henz an die Worte von Hildegard König-Grewenig bei der Einweihung der Gedenkstätte. Gemeinsam wolle man die Erinnerung wach halten, damit sich so etwas nie wiederholen wird. „Wir werden Ihr Wirken fortsetzen“, unterstrich Henz.
Bildungsminister Ulrich Commerçon, selbst in einem Pfarrhaus aufgewachsen, wie er berichtete, hob ihre Leistungen in der Frauenarbeit hervor. Als Ehefrau und Mutter von drei Kindern habe Hildegard König-Grewenig zu dem Bild der „modernen Frau im Pfarrhaus“ beigetragen. Zahlreiche Kurse habe sie gegeben, die Künstlergruppe 11F gegründet und sich schließlich unermüdlich für den christlich-jüdischen Dialog und die Synagogen-Gedenkstätte eingesetzt. Sodann verlieh er Hildegard König-Grewenig das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Im Anschluss hielt die rüstige 86-jährige eine rund halbstündige freie Rede, in der ihre Hartnäckigkeit und ihre Leidenschaft für die Sache zum Ausdruck kamen. „Ich konnte den Abriss der Synagoge nicht verhindern, aber ich habe gelernt, aus Resten etwas zu machen“, sagte sie. Schließlich stellte ihr die Stadt einen Raum zur Verfügung, in dem sie eine Gedenkstätte einrichten konnte. Die verbliebenen Mauersteine des Synagogengebäudes ließ sie auf den Alten Friedhof Saarlouis bringen, wo ein Kunstwerk daraus geschaffen wurde.
Superintendent Christian Weyer, Kirchenkreis Saar-West, wies auf die besondere Bedeutung der Gedenkstätte hin, die nichts an ihrer Wichtigkeit eingebüßt habe. „Im Gegenteil, sie wird immer wichtiger, weil es immer weniger Zeitzeugen gibt“, sagte er. Pfarrer Jörg Beckers, Evangelische Kirchengemeinde Saarlouis, verlas einen Brief von Nikolaus Schneider, Präses der rheinischen Kirche und Leiter der Evangelischen Kirche Deutschland. Nach seinem letzten Besuch in Saarlouis sei er beeindruckt gewesen vom Engagement einer Frau, die in Saarlouis die „Kultur des Gedenkens“ pflege. Aus der Gedenkstätte habe sie ein „Lehr- und Lernhaus“ wachsen lassen, welches bis heute segensreich und wichtig sei.
Richard Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar, betonte, dass ein fruchtbarer Dialog zwischen Juden und Christen ihm immer sehr wichtig gewesen sei, aber nur wenig zu einem solchen Engagement wie Hildegard König-Grewenig bereit gewesen wären. Professor Herbert Jochum, Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes, berichtete über die Erinnerungsverweigerung, die 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch vorherrschte. Es habe kaum Interesse an Literatur oder der Erinnerung der Verfolgten gegeben. Erst in den 70er und 80er Jahren habe man sich auf die Vergangenheit zurückbesinnt. „Erinnerung ist lebensnotwendig“, sagte Jochum, denn sie sei auch Selbsterkenntnis und das Gedächtnis eines Volkes. „Damit die Erinnerung lebendig bleibt, braucht sie einen Raum, wo sie verweilen kann“, unterstrich er. Die Veranstaltung umrahmten Helmut Eisel & JEM musikalisch mit Klezmermusik. Die Künstlergruppe 11F präsentierte eine Installation zum Thema „Erinnerung“.

Quelle: Stadt Saarlouis / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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