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Saarlouis: „Mehr als ein Symbol“ – Europäisches Gedenken an das Kriegsende in der Saarlouiser Partnerstadt Saint-Nazaire

Pressemeldung vom 18. Mai 2015, 12:29 Uhr

Es war ein eindrucksvolles Bild europäischer Einigkeit und Freundschaft am „Monument aux Morts“ in Saint-Nazaire: Gemeinsam gedachten die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus vier europäischen Städten, Vertreter des französischen Militärs und der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian der Befreiung der „Festung Saint-Nazaire“ und dem Kriegsende vor siebzig Jahren, das hier am Atlantik erst am 11. Mai 1945, drei Tage nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, Wirklichkeit wurde. Eine Besonderheit: Auch OB Roland Henz wurde als Vertreter der deutschen Partnerstadt die Möglichkeit geboten, im Rahmen der Feierlichkeiten eine Rede zu halten.

„Saint-Nazaire“ stand auf den prachtvollen Fahnen zu lesen, die eine Gruppe von Veteranen am „Monuments aux Morts“ in ihren Händen hielt. Einige von ihnen waren weit über 80 Jahre alt – sie erlebten die Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft persönlich mit, als Deutsche Truppen Saint-Nazaire und andere Städte am Atlantik besetzt hielten und erst drei Tage nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endlich auch selbst kapitulierten.

Mit einem großen Zeremoniell gedachten Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Militär, hier am Kriegerdenkmal in Saint-Nazaire, dem Ende des Zweiten Weltkrieges. „Es war kein Sieg über die Deutschen, sondern die Befreiung von der Barbarei der Nazis“, sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian.

„Die Toten sind uns Mahnung zum Frieden“, erklärte OB Henz in seiner Ansprache. Zugleich erinnerte er aber daran, dass es trotz dieser Mahnung und der leidvollen Erfahrungen des Krieges auch heute noch zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen in der Welt gebe. „Lassen Sie uns diese Gedenkfeier auch nutzen, um für Versöhnung und Frieden, für Toleranz und Respekt zwischen den Nationen und Völkern, zwischen Ethnien, Religionen und allen Menschen zu werben.“

Gerade im Gedenken, der Erinnerung und den entstandenen, gemeinsamen Werten sah dann auch Verteidigungsminister Le Drian eine Grundlage für Frankreich und Deutschland, Europa zusammen voranzutreiben. „Die Worte von Roland Henz haben mich sehr berührt“, erklärte Le Drian. „Seine Anwesenheit an diesem Tag ist mehr als ein Symbol.“ Das bestätigte auch David Samzun, Bürgermeister von Saint-Nazaire: „Es ist ein Zeichen für unser gemeinsames Engagement, die deutsch-französische Freundschaft lebendig zu gestalten, ein solidarisches Europa zu schaffen und die gemeinsamen Werte von Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit zu verteidigen.“

Ebenfalls an der Gedenkfeier teil nahmen Delegationen aus dem spanischen Avilés und aus Sunderland in England sowie Schülerinnen und Schüler von allen drei Saarlouiser Gymnasien. Gemeinsam mit ihren Saint-Nazairer Partnerschülern sangen diese am Kriegerdenkmal die Europahymne. „Ihr seid unsere Zukunft, ihr seid unsere Hoffnung“, sagte OB Henz, und nutzte damit den symbolträchtigen Auftritt der Schüler, um auch die folgenden Generationen ihrer Aufgabe zu gemahnen, sich in Zukunft aktiv für die deutsch-französische Freundschaft und den Frieden in Europa und der Welt zu engagieren.

Worte, die berührten: Das war am „Monument aux Morts“ und dem anschließenden Empfang im Rathaus deutlich zu spüren. Immer wieder kamen Menschen auf den Saarlouiser Verwaltungschef zu, um ihm für seine Ansprache zu danken. Eine Frau erklärte, sie und ihr Mann seien beide über 80, die Erinnerungen an die deutsche Besetzung sei ihnen noch immer präsent. Herzlich und sichtlich gerührt reichte sie ihm die Hand: „C’est très juste“, sagte sie – mit seinen Worten habe er es genau getroffen.

Das Kriegsende am Atlantik
Rückblick: Im Juni 1944 landen alliierte Truppen in der Normandie, am 3. August nimmt die US-Armee die Stadt Rennes ein. Daraufhin verschanzen sich die Deutschen in den befestigten Häfen der Atlantikküste – darunter auch Saint-Nazaire. Wenige Tage später wird das rund 60 Kilometer entfernte Nantes befreit, doch rund um Saint-Nazaire entsteht eine Frontlinie, die sich auf 1.800 Quadratkilometer erstreckt und damit zur größten Festung, zur sogenannten „poche“, am Atlantik wird. Neun Monate lang sind 32.000 deutsche Soldaten und 124.000 französische Zivilisten in dieser „poche“ von amerikanischen Truppen und den Bataillonen französischer Widerstandskämpfer eingekesselt. Am 8. Mai kapituliert die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Hier am Atlantik dauert der Krieg drei Tage länger: Nach langen Monaten der Belagerung, Hunger und Kälte kapitulieren die Kommandanten der Festung Saint-Nazaire erst am 11. Mai 1945 in Bouvron. Im Goldenen Buch der Stadt schreibt Général Charles de Gaulle wenige Wochen später: „Für Saint-Nazaire, das uns Beispiel und Hoffnung gibt“ (A Saint-Nazaire, qui est un exemple et un espoir).

Quelle: Stadt Saarlouis

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