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Saarlouis: Marschall Ney als Freund und Feind der Weltliteratur

Pressemeldung vom 5. Mai 2015, 12:13 Uhr

Saarlouis. Vor 200 Jahren, am 07. Dezember 1815, ist Marschall Ney, der wohl berühmteste Sohn der Stadt Saarlouis, im Jardin du Luxembourg standrechtlich erschossen worden. Die Geschichtswerkstatt Saarlouis erinnerte an dieses Ereignis mit einem Vortrag von Hans Jörg Schu zum Thema „Das Bild des Marschall Ney in der Literatur“. Dabei stand nicht die historische Wahrheit im Vordergrund, sondern wie Ney von der Weltliteratur wahrgenommen wurde. Die Betrachtungen von Hemingway, Fontane, Goethe, Hugo, Stendal, Zweig und anderen Autoren, in denen Ney gerühmt, aber auch geschmäht wurde, sind rein subjektiv.

Theodor Fontane kannte Ney aus den Erzählungen seines Vaters, der in ihm einen Freund sah und ihn zutiefst verehrte. So begegnet man dem Marschall in einigen literarischen Werken Fontanes, in denen dieser ihn als einen Menschen skizziert, der „treulos war aus Treue und sein Herz über sein Wort setzte“. Auch bei Goethe genoss Ney einen guten Ruf. In seiner biografischen Skizze „Philipp Hackert“ hat er ihm ein literarisches Denkmal gesetzt. Grabbe dagegen bezeichnet Ney in seinem Drama „Napoleon oder die hundert Tage“ als devoten, auf höfischem Parkett unsicheren Emporkömmling, der sich der alten Dynastie anbiedert. Leo Tolstoi lässt in seinem Roman „Krieg und Frieden“ nicht einmal Neys militärische Tüchtigkeit und Tapferkeit gelten. Auch die Literatur des 20. Jahrhunderts beschäftigte sich mit Marschall Ney. So erblickte Ernst Jünger ihn ihm eine „späte Verkörperung ritterlicher Tugenden“, weil er sich weigerte, niederzuknien und die Augenbinde ablehnte, als man ihn exekutierte. Ernest Hemingway sah in Ney einen frühen Vertreter der „Lost Generation“, jener verlorenen Generation, die der Krieg gezeichnet hatte. In seinem Roman „Über den Fluss und in die Wälder“ wird Ney zum Schicksalsgefährten des glücklosen Oberst Richard Cantwell, der in einem sinnlosen Einsatz sein ganzes Regiment verloren hatte und sich nun dem Tode nah weiß. Hans Jörg Schu präsentierte zwölf Autoren, die sich literarisch auf unterschiedliche Weise mit der Gestalt des Marschalls beschäftigten. Wie er als Mensch charakterisiert bzw. als Symbolfigur eingesetzt wird, richtet sich dabei weitgehend nach dem Vorverständnis, den Perspektiven und Intensionen der einzelnen Autoren. „Dessen ungeachtet ist die literarische Figur, die in diesen Texten ja auch Eigenleben entfaltet, mindestens ebenso interessant wie die historische“, fasste Schu abschließend zusammen.

Musikalisch umrahmt wurde der Vortragsabend durch den Saarlouiser Rathauschor, der unter anderem die alte lothringische Hymne „Honneurs aux fils de la Lorraine“ aus dem Jahre 1848 in einer Neuvertonung vortrug. In dieser Hymne, die Guido Fontaine in einem alten Almanach entdeckte, besingen drei Strophen die Festung Saarlouis und ihre napoleonischen Helden Michel Ney und Paul Grenier. Die Melodie war allerdings verloren gegangen und so entstand die Idee von einer neuen Komposition. Roland Kunz hat in seinem Werk, einem vierstimmigen Chorsatz mit Klavierbegleitung, den Stil der heroischen Spätromantik aufgegriffen, ihm aber zugleich eine moderne Note gegeben.

Quelle: Stadt Saarlouis / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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