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Saarlouis: „Ich gehöre zu euch“ – Esther Bejarano zur Ehrenbürgerin von Saarlouis ernannt

Pressemeldung vom 2. Dezember 2014, 09:19 Uhr

Weltweit wird ihre Stimme vernommen, bis heute kämpft sie gegen das Vergessen und für Menschlichkeit und Toleranz: Esther Bejarano wurde in Saarlouis geboren, überlebte die Schrecken der Nazizeit und ist heute wichtige Symbolfigur im Einsatz für eine friedliche Welt. Am Samstag wurde ihr in Saarlouis das Ehrenbürgerrecht verliehen.

„Ich gehöre zu euch“, sagte Esther Bejarano, „und ihr gehört zu mir.“ Es war ein emotionaler Höhepunkt am Samstagabend in der historischen Kaserne VI in Saarlouis, wo die 89-jährige soeben das Ehrenbürgerrecht verliehen bekommen hatte. Sentimente habe sie zu ihrer Geburtsstadt und ein Gefühl der Bindung. „Ich komme unheimlich gerne nach Saarlouis und freue mich immer, etwas über die Stadt zu hören.“

Dabei ist die Frage nach ihrer Heimat keine leichte, gerade „im Kontext von Holocaust und Shoah, Flucht, Vertreibung und Emigration“, wie Oberbürgermeister Roland Henz betonte. Am 15. Dezember 1924 in Saarlouis geboren, zog Esther Bejarano bald mit ihrer Familie nach Saarbrücken, wo ihr Vater Oberkantor der jüdischen Gemeinde wurde. Wenige Jahre später wurden ihre Eltern und Schwester Ruth von den Nazis ermordet. Esther Bejarano überlebte unter anderem die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück. Wie es dazu kam, das hat sie als Zeitzeugin oft berichtet und in ergreifenden Worten niedergeschrieben in ihren im Laika-Verlag erschienenen „Erinnerungen“.

Nach dem Krieg ging Bejarano nach Israel, musste das Land aber bald wieder verlassen, weil sie das Klima nicht vertrug. Nicht zuletzt, weil sie die Sprache beherrschte, fiel ihre Wahl damals auf Deutschland. Bei der Rückkehr war klar: „Ich will nur irgendwo hingehen, wo ich noch nie war“, erklärte Bejarano am Abend. „In eine Stadt, in der ich mit meinen Eltern und Geschwistern lebte, hätte ich nicht zurück gekonnt.“ Sie ging nach Hamburg und lebt dort bis heute. Anfangs sei es sehr schwierig gewesen, gestand sie, doch schon bald habe sie Freunde gefunden und einen wichtigen Entschluss gefasst: „Wenn ich schon in Deutschland bin, dann muss ich etwas dagegen tun, was ich nicht gut finde.“

Seitdem engagiert sich Esther Bejarano unentwegt gegen Rassismus und Ausgrenzung und setzt sich ein für Menschlichkeit und Toleranz. „Etwas sagen, Stellung beziehen, sich einmischen, Ausgrenzung und Intoleranz nicht zulassen und für den Frieden eintreten – das ist Ihre Botschaft“, hob OB Henz in seiner Laudatio hervor. „Mit ihrem Einsatz gibt Esther Bejarano der Geschichte und somit auch unserer Geschichte und unserem Erinnern ein Gesicht, einen Namen und einen Sinn. Sie steht ganz persönlich für all die Tugenden und Ideale, um die sich die Europastadt Saarlouis bemüht und im politischen Handeln zu verankern sucht.“

Einen Gruß richtete auch die Vorsitzende der Repräsentanz der Synagogengemeinde Saar, Erika Hügel, an die neue Ehrenbürgerin. Sie verwies auf die „bedeutsame, lebenserhaltende und rettende Rolle der Musik“ für Bejarano und erklärte zum „sogenannten Glück in ihrem Leben: Es ist nicht nur äußerlich, zwingend bedurfte es auch ihrer eigenen, tätigen Mithilfe.“

Im April beschloss der Saarlouiser Stadtrat mit großem Einvernehmen, Esther Bejarano zur Ehrenbürgerin zu ernennen und folgte damit einem Vorschlag des Frauenbeirates. Zur feierlichen Überreichung der Ehrenbürgerrechte kamen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft in die historische Kaserne VI, darunter auch die Saarlouiser Ehrenbürger Erich Pohl und Rolf Weber sowie gute Bekannte der neuen Ehrenbürgerin aus Stadt und Landkreis Saarlouis, zu denen sie bis heute gute Kontakte pflegt.

Quelle: Stadt Saarlouis

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