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Saarlouis: Der Herr der Namen

Pressemeldung vom 25. Mai 2012, 11:36 Uhr

Saarlouis. Hans Peter Klauck ist Genealoge (Familienforscher) mit Leib und Seele. Fast seine ganze Freizeit investiert der Grundschullehrer in die Erforschung der Saarlouiser Heimatgeschichte und die Erstellung der sogenannten „Einwohnerbücher“, einem nahezu vollständigen Register aller in einem bestimmten Zeitraum in Saarlouis lebenden Familien.

„Neben dem Familiennamen sind in den mittlerweile 15 Teilbänden der Reihe „Die Einwohner der Stadt Saarlouis auch die Familienverhältnisse, also Geburten, Heiraten, Sterbefälle und ähnliches auch die Berufe der beschriebenen Personen und ihr „örtlicher Werdegang“, also beispielsweise auch erfolgte Umzüge, beschrieben“, schilderte der Autor bei der Vorstellung des sechsten und letzten Teilbandes im Empfangssaal des Saarlouiser Rathauses. Dieser ist in drei blaue Bände unterteilt und umfasst den Zeitraum von 1851-1902. Hierfür wurden neben den Standesamtsakten der Stadt auch die Standesamtsakten und Kirchenbücher der Nachbargemeinden und Aufzeichnungen über das Saarlandes und angrenzende Gebiete zu Rate gezogen. Durch diese flächendeckende Betrachtung konnten zahlreiche Lücken geschlossen werden. Einige Daten wurden aus der Wallraff’schen Familienkartei des Kreisarchives ergänzt.

Begonnen hatte Klauck seine Auflistung im Jahr 1680 und hat damit nun insgesamt imposante 7371 Seiten zur Stadtgeschichte beigetragen. 25.786 Familien und 107.646 Personen wurden erfasst.

Geschichten machen Geschichte

„Solche Menschen wie Dich brauchen wir dringend, lieber Peter, Menschen, die Fakten für die Nachwelt festhalten, Namen mit Leben füllen und unserer Stadt ein historisches Gesicht geben. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass Du und viele andere Heimatforscher immer wieder mit Publikationen und Ausstellungen ihr Wissen vermitteln“, begrüßte Oberbürgermeister Roland Henz die zahlreich erschienenen Gäste der Buchpräsentation. Der einzige Fehler des heute im Mittelpunkt stehenden Autors sei, dass er in Saarwellingen wohne und nicht in Saarlouis, bemerkte Henz anschließend schmunzelnd.

Dr. Barbara Ames-Adler, Geschäftsführerin und 1. Vorsitzende der Vereinigung für Heimatkunde des Landkreises Saarlouis, würdigte bei ihrer Buchvorstellung Hans Peter Klaucks Arbeit als „monumentales Werk“. „Hier wurde nicht nur eine riesige Menge an Daten zusammengestellt, die Bücher enthalten auch viele Aufsätze zur Entwicklung der Stadt, hier machen Geschichten wirklich Geschichte“, sagte sie. Sie dankte allen, die in 20 Jahren zu nunmehr 50 Ausgaben in 72 Büchern plus Sonderbänden der „Quellen zur Genealogie der Stadt Saarlouis beigetragen haben, neben den ehrenamtlich tätigen Verfassern auch der Stadt, dem Landkreis und weiteren Sponsoren für ideelle und finanzielle Unterstützung. Neben seiner Autorentätigkeit ist Hans Peter Klauck auch 2. Vorsitzender der Vereinigung, die die Bücher in Eigenregie herausgibt und das Kreisarchiv personell besetzt.

Gernot Karge, langjähriger Kreisarchivar und eines der „Urgesteine“ der Heimatforscher in Saarlouis, bot einen unterhaltsamen Einblick in die Arbeit und Recherche dieses reizvollen Betätigungsfeldes. Er definierte die Genealogie als die Forschung nach unbekannten Familienzusammenhängen, die über die meist bekannten Großeltern-Eltern-Kinder-Beziehungen hinausgehen. Wer waren diese Personen, wo kamen sie her, was haben sie in ihrem Leben bewirkt, welche politischen Verhältnisse herrschten damals, unter welchen Kriegen hatte die Bevölkerung zu leiden? Das sind einige der Fragen, die es zu klären gelte. „Beschränkten sich die Ahnenforscher früher auf den Adel, Dichter, Denker, herausragende Theologen oder hochdekorierte Militärs, umfasse das „richtige Forschen“ meiner Meinung nach auch und vor allem „normale“ Menschen wie sie und mich“, erläuterte Karge. Er bezeichnete Saarlouis als einen Schmelztiegel und pure Globalisierung, denn unter anderem sind in der Stadt Nachfahren von Lothringern, Franzosen, Moselanern, Personen aus dem Hunsrück, dem Hochwald, der Eifel, Sachsen, Pommern, Ost- und Westpreußen zuhause, „vermischt mit einem guten Schuss tirolerischem, schweizerischem, italienischem, englischen und irischen Blut“. Gerade diese Vielfalt mache die Stadt und die Faszination „Heimatforschung“ aus. Abgerundet wurde der abendliche Empfang mit einem Glas Wein und dem geflügelten Wort: „Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß auch nicht, wo er hin will“. Besser konnte man diesen höchst interessanten Abend kaum zusammenfassen.

Quelle: Kreisstadt Saarlouis – Pressestelle

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