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Saarlouis: „Der etwas andere Blick auf die Welt“ – Autistische Künstler präsentieren ihre Werke in Saarlouis

Pressemeldung vom 15. Oktober 2014, 15:51 Uhr

Seit 30 Jahren bestehen der Landesverband autismus Saarland e.V. und dessen zugehöriges Autismus-Therapie-Zentrum. Aus diesem Anlass zeigen sie eine beeindruckende Werkschau autistischer Künstler in der Kaserne VI.

„Macht es euch nicht etwas aus, eure Zeit mit Banalitäten zu verbringen?“, fragte der 17-jährige Sebastian Gürtler in seinem ‚Brief an alle Nichtautistischen und nicht Asperger-Menschen da draußen in der Welt‘. „Die Zeit fehlt euch, um euch mit uns Betroffenen über vermutlich Spannenderes zu unterhalten.“ Nicht weniger als einen tiefen Blick in sein Innerstes gewährte der Gymnasiast mit seinen Worten, die er klar, sicher und mit Nachdruck vortrug. In seinem Brief erklärte er, wie er die Dinge sieht, was sich ihm am sozialen Miteinander manchmal nicht erschließt und mit welchen Beeinträchtigungen er durch seine Erkrankung zu kämpfen hat. Sebastian ist vom Asperger-Syndrom betroffen. Seine Lesung war Teil des Vernissage-Programms zur Ausstellung und Werkschau mit künstlerischen Arbeiten von Menschen mit Autismus in der Kaserne VI.

Hier präsentieren der Landesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus autismus Saarland und das Autismus Therapie Zentrum Saar eine besondere Ausstellung anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Landesverbandes. „Der etwas andere Blick auf die Welt“, lautet deren Titel, der ganz unterschiedliche Werke autistischer Künstlerinnen und Künstler vereint. Malerei und Fotografie, aber auch das geschriebene Wort und musikalische Aufführungen sind dabei.

„Typisch ist, dass autistische Künstler fast immer für sich selbst arbeiten und nicht für die Öffentlichkeit“, erklärte Anne-Rose Kramatschek-Pfahler, Geschäftsführerin des Autismus-Therapie-Zentrums. Auch das ist einer der Gründe, warum unter vielen Werken keine Namen stehen und die meisten Künstler nicht persönlich zur Vernissage kamen. Einer, der da war, war Michael Christensen. Virtuos spielte der vom Asperger-Syndrom betroffene Konzertpianist eine Sonate am Flügel und ließ mit Hilfe eines Beamers Klänge zu Farben werden.

„Kunst ist eine Sprache die keiner Worte bedarf“, sagte Oberbürgermeister Roland Henz und auch Pascal Decker vom Bildungsministerium bekräftigte: „Wozu braucht es Worte, wenn Bilder sprechen?“ OB Henz:. „Wir setzen uns mit dem kreativen Schaffen der autistischen Künstler auseinander. Das trägt dazu bei, dass wir voneinander lernen und profitieren.“ Dass das auch weiterhin notwendig ist, bestätigte Verbandsvorsitzender Michael Kopper. Zwar gebe es heute etwas mehr Wissen, als zu Beginn der Arbeit des Landesverbandes autismus Saarland vor 30 Jahren, in vielen Punkten beschränke sich dies aber auf Klischees. „Wie kann Inklusion gelingen“, fragte er, „wenn wir den zu Inkludierenden nicht kennen?“ Die Arbeit mit autistischen Menschen sei lehrreich und erfüllend und erlaube den Blick von außen auf uns selbst.

Wie intensiv dieser Blick sein kann, davon zeugte der verlesene Brief von Schüler Sebastian. Zwar fehlten ihm Reiz- und Wahrnehmungsfilter, sodass er aktiv herausfiltern muss, welche Informationen wichtig sind und welche nicht, erklärte er. „Dann noch Körpersprache zu deuten ist ein Ding der Unmöglichkeit.“ Dennoch, und das belegte er mit seinen beeindruckenden Worten zweifelsfrei: „Ich bin nicht sozial untauglich.“

Die Ausstellung in der Kaserne VI dauert noch bis Freitag und wird durch verschiedene Programmpunkte begleitet.

Quelle: Stadt Saarlouis

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