Energiewechsel

Saarlouis: Billig – billiger – am Billigsten – Hähnchen reisen um die Welt

Pressemeldung vom 10. September 2015, 15:08 Uhr

Im Rahmen der Inklusion Saarlouis findet am 5. Oktober 2015 ab 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema Agrarexporte mit dem Titel „Billig – billiger – am Billigsten: Hähnchen reisen um die Welt“ im Kinder-, Jugend- und Familienhaus der Kreisstadt Saarlouis statt. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um eine barrierefreie Fachveranstaltung mit Schriftdolmetschern für Seh- und Hörgeschädigte.

Das Programm wird durch einen Kurzfilm zum Thema Hähnchenexporte eingeleitet. Im Anschluss erfolgt ein Vortrag von Francisco J. Mari dem Referent für Agrarhandel und Fischerei der Organisation Brot für die Welt, mit anschließender Diskussionsrunde zu Agrarhandel, billige Lebensmittelproduktion und deren Auswirkungen, zusammen mit der Bürgermeisterin Marion Jost der Stadt Saarlouis, Roman Denis von Bioland-Gemüsebau Denis und Francisco Mari. Die Moderation der Diskussion übernimmt Harald Kreutzer vom Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland.

Dass Deutschland zu den Exportmeistern zählt, wissen wir bereits. Die Auswirkungen des Exports sind jedoch weniger leicht ersichtlich, verändern jedoch viele ausländische Wirtschaftsstrukturen nachhaltig. So auch der europäische Agrarhandel, welcher die Landwirtschaft in vielen Ländern negativ beeinträchtigt. Durch Agrarsubventionen in Europa werden die Weltmarktpreise gedrückt, wodurch viele Importprodukte billiger werden als die einheimischen Produkte, wie z.B. auch Hähnchen. Insbesondere Geflügelreste wie Innereien, Flügel Hälse und andere Fleischteile, die in Europa nicht gefragt sind, werden exportiert. Dadurch geben subventionierte Nahrungsmittel aus Europa den lokalen Kleinbauern keine Chance, ihre Ware zu verkaufen und fördern damit auch die Flüchtlingsströme in den Westen.

Laut dem Statistischen Bundesamt wurde im vergangen Jahr mehr Fleisch in Deutschland produziert als je zuvor, wobei meist die Produktion den heimischen Verbrauch übersteigt und daher ins Ausland exportiert wird. Investitionsbeihilfen fördern dabei die Überproduktion von bestimmten Produkten. Hinzu kommt die billige Massenproduktion, die Auswirkungen auf den gesamten Handeln mit sich ziehen. Die gegenseitige Unterbietung der Discount-Marktführer führt zur billigen Produktion auf Kosten der Produzenten, Lieferanten und regionalen Kleinbauern. Auch die Qualität der Lebensmittel leidet massiv unter den Einsparungen durch Massenproduktion. Darüber hinaus trägt diese marktorientierte Landwirtschaft auch zum Verlust der Artenvielfalt bei.

Im Rahmen seines Vortrages wird Francisco Mari auch die alternative Wege für eine nachhaltige und faire Landwirtschaft beleuchten. Weiterhin werden die Experten den Spagat im Konsumverhalten zwischen der Wahl für Produkte aus der Massenproduktion und einer gesunden Ernährung diskutieren und wie die EU ihrer globalen Verantwortung gerecht und eine nachhaltige Ernährungssicherheit gewährleisten kann.

Wie hängen Agrarexporte und Flüchtlingsströme der heutigen Zeit zusammen? Durch die günstigen Preise steigt auch der Lebensmittelverbrauch.Welche globalen Folgen resultieren daraus? In den Ländern des Südens gibt es Investoren, die Nahrungsmittel für den Export anbauen wollen, aber auch im Ackerland Spekulationsobjekte sehen. Es geht geht darum Kauf- oder Pachtverträge über mehrere tausend Hektar Land auszuhandeln.

Nach Schätzungen wurden allein zwischen den Jahren 2006 und 2009 wurden ca. 50 Millionen Hektar Land in Afrika, Asien und Lateinamerika an internationale Investoren verkauft oder auf mehrere Jahrzehnte verpachtet. So eine Dimension ist enorm.

Auf der Gewinnerseite stehen die Investoren, die Wert auf Gewinnmaximierung legen und auf der anderen Seite sind die Menschen vor Ort, die Kleinbauern, Fischer, Hirten und Landarbeiter samt Familien die leidtragenden Verlierer dieser Entwicklung, die mit den Herausforderung der Existenzverlustes zu kämpfen haben. Wer würde sich da nicht in ein Land mit besseren Zukunftsperspektiven fliehen wollen?

Die Veranstaltung wird vom Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland e.V. in Kooperation mit dem lokalen Bündnis für Familie Saarlouis, der Fairtrade-Stadt Saarlouis und dem entwicklungspolitischen Dachverband Lothringens Réseau MultiCooLor organisiert und findet im Rahmen des Europäischen Jahres für Entwicklung statt, welches unter dem europaweiten Motto „Unsere Welt, unsere Würde, unsere Zukunft“ steht. Die Europäischen Jahre werden seit 1983 von der EU ausgerufen und sollen europaweite Aktivitäten und Diskussionen zu den jeweiligen Themen anregen. Weil 2015 für die Weltgemeinschaft ein bedeutendes Jahr sein wird – es werden im September auf der UN-Generalversammlung neue, weltweit geltende Nachhaltigkeits-entwicklungsziele für dienächsten 15 Jahre verabschiedet – steht das Europäische Jahr 2015 unter dem Thema „Entwicklung“.

Quelle: Kreisstadt Saarlouis

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis